Spätschicht, dann Frühschicht: Wie viel Ruhezeit steht mir zu?
Pausen Zuletzt geprüft:
Kurz gesagt: Nach Feierabend müssen bis zum nächsten Arbeitsbeginn in der Regel mindestens 11 Stunden am Stück frei sein. Wer bis 23:00 Uhr Spätschicht hat, darf also frühestens um 10:00 Uhr wieder anfangen. In Gastronomie, Hotels, Pflege und einigen anderen Bereichen darf die Ruhezeit auf 10 Stunden sinken, aber nur, wenn das später ausgeglichen wird.
Die Regel
Das Arbeitszeitgesetz sagt: Nach dem Ende deiner täglichen Arbeitszeit brauchst du eine ununterbrochene Ruhezeit von mindestens 11 Stunden. Sie beginnt, wenn du wirklich mit der Arbeit fertig bist, nicht wenn deine Schicht laut Plan endet.
| Feierabend | Frühester nächster Arbeitsbeginn |
|---|---|
| 20:00 Uhr | 7:00 Uhr |
| 22:00 Uhr | 9:00 Uhr |
| 23:00 Uhr | 10:00 Uhr |
| 0:30 Uhr | 11:30 Uhr |
Ein typisches Beispiel
Aylin arbeitet im Restaurant. Laut Plan endet ihre Spätschicht um 22:00 Uhr, am nächsten Morgen hat sie Frühschicht ab 7:00 Uhr. Das wären nur 9 Stunden Ruhezeit, also schon nach Plan zu wenig.
Dazu kommt: Nach Küchenschluss putzt sie noch bis 22:40 Uhr. Dann bleiben bis 7:00 Uhr nur 8 Stunden 20 Minuten. Auch mit der Ausnahme für die Gastronomie wären mindestens 10 Stunden nötig.
Das Beispiel ist erfunden und dient nur der Veranschaulichung.
Genau hier hilft es, den echten Feierabend aufzuschreiben. Im Dienstplan sieht der Wechsel oft harmloser aus, als er ist.
Wann 10 Stunden reichen können
In bestimmten Bereichen darf die Ruhezeit um bis zu eine Stunde auf 10 Stunden verkürzt werden:
- Krankenhäuser und Einrichtungen für Behandlung, Pflege und Betreuung
- Gaststätten, Hotels und andere Betriebe für Bewirtung und Beherbergung
- Verkehrsbetriebe
- Rundfunk
- Landwirtschaft und Tierhaltung
Aber: Jede Verkürzung muss innerhalb eines Kalendermonats oder innerhalb von vier Wochen ausgeglichen werden. Eine andere Ruhezeit muss dann mindestens 12 Stunden lang sein.
Auch Tarifverträge können in manchen Fällen abweichen. Ob das bei dir so ist, steht im Tarifvertrag oder in einer Betriebsvereinbarung.
Zwei Jobs zählen zusammen
Hast du neben deinem Hauptjob einen Minijob, werden die Arbeitszeiten zusammengerechnet. Wer bis 22:00 Uhr im Minijob kellnert und um 6:00 Uhr im Lager anfängt, hat ebenfalls zu wenig Ruhezeit. Das gilt auch, wenn beide Arbeitgeber nichts voneinander wissen.
Was die Ruhezeit unterbricht
Die Ruhezeit muss am Stück sein. Arbeitest du zwischendurch, zum Beispiel weil du nachts noch Dienstmails beantwortest oder spontan einspringst, ist sie unterbrochen. Danach muss in der Regel eine neue volle Ruhezeit folgen. Für Rufbereitschaft in Krankenhäusern gibt es eigene Regeln.
Jugendliche
Für Jugendliche unter 18 gilt das Jugendarbeitsschutzgesetz: Nach Feierabend stehen ihnen mindestens 12 Stunden Freizeit am Stück zu.
Was du tun kannst
- Echte Zeiten aufschreiben, vor allem den tatsächlichen Feierabend.
- Den Dienstplan früh prüfen. Fällt dir ein zu knapper Wechsel auf, sprich ihn an, bevor es so weit ist.
- Sachlich ansprechen, zum Beispiel: „Am Freitag habe ich bis 22:00 Uhr Spätschicht und am Samstag ab 7:00 Uhr Frühschicht. Das sind nur 9 Stunden Ruhezeit. Können wir das ändern?“
- Hilfe holen, wenn es regelmäßig passiert: beim Betriebsrat, bei deiner Gewerkschaft oder bei der Arbeitsschutzbehörde deines Bundeslands, in Bayern zum Beispiel beim Gewerbeaufsichtsamt.
Für die Einhaltung der Ruhezeit ist dein Arbeitgeber verantwortlich. Verstöße können für ihn ein Bußgeld nach sich ziehen.
Wie Diurano dabei hilft
Diurano prüft automatisch, ob zwischen zwei Arbeitstagen mindestens 11 Stunden liegen, auch über mehrere Arbeitgeber hinweg. Ist die Ruhezeit zu kurz, zeigt dir die App einen Hinweis mit Paragraf. Den siehst nur du.
Quellen
- § 5 Arbeitszeitgesetz: Ruhezeit
- § 2 Arbeitszeitgesetz: Begriffsbestimmungen (Arbeitszeiten bei mehreren Arbeitgebern werden zusammengerechnet)
- § 7 Arbeitszeitgesetz: Abweichende Regelungen
- § 22 Arbeitszeitgesetz: Bußgeldvorschriften
- § 13 Jugendarbeitsschutzgesetz: Tägliche Freizeit